Kritik


"... da sie sich gar leicht in den Magnetiseur verlieben könnte!"

Franz Anton Mesmer - Stationen seines Lebens

 


... Zum zwölften Male tagte heuer die Deutsche Gesellschaft für therapeutische Hypnose und Hypnoseforschung in Meersburg. Nicht alles, was da verhandelt wird, bleibt geheim für Experten: Öffentliches Interesse und Verständnis sind erwünscht: In diesem Rahmen bewegte sich der Vortrag von Thomas Warndorf ...

Den Prinzipien des berühmten Arztes gemäß, dass zur Harmonie des Menschen in der Welt alle seine Kräfte beteiligt werden müssten, verließ sich Warndorf nicht nur auf seinen Intellekt, sondern setzte ebenso auf Intuition, Kreativität und das Künstlerische.
Das Hocad-Ensemble aus Freiburg unter Uwe Schlottermüller und die verdienstvolle Historische Tanzgruppe Meersburg untermalten den Ausblick aufs gesellschaftliche Panorama des wechselvollen 18. Jahrhunderts mit Musik, Tanz, Rezitation und Lektüre. Mesmer, der 1734 in Iznang bei Radolfzell geboren und 1815 in Meersburg begraben wurde, war freilich dem heimischen Publikum vertrauter als manchem Hypnosekongressteilnehmer ...

Damit ist der Gedanke an die zentralen Kraftfelder manifest. Mesmer wird als Mitglied des akademischen Lehrkörpers und Gatte einer wohlhabenden Wienerin zum gesellschaftlichen Mittelpunkt. Mozart führt "Bastien und Bastienne" in seinem Garten zum ersten Mal auf, später zitiert und persifliert er Mesmers Heilmethoden in "Cosi fan tutte". Solcherlei Kurzweil sinnfällig zu machen, bemühten sich die rokokokostümierten Meersburger nach Freiburger Flötentönen in ausgedehnten Menuetten, Cotillons und Kontratänzen.

(Schwäbische Zeitung, 8. November 2001)




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